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„Nach dem Ende“ oder die Aufgabe der Scham

27 Mrz

Pornographisches am Theater Vorpommern  Die andere Kritik (7)

 

Am 28. November hatte „Waisen“ von Dennis Kelly, inszeniert von Julia Heinrichs, im Greifswalder Rubenowsaal Premiere. Wie ich damals fand, eine rundum respektable Leistung des Schauspiels unter der Ägide des neuen Intendanten Dirk Löschner.

Am 10. März nun gab es am selben Ort wieder eine Premiere: „Nach dem Ende“, ebenfalls von Dennis Kelly, diesmal eine Übernahme aus dem Theater der Altmark Stendal. Regie: Julia Heinrichs; Dramaturgie: Sascha Löschner.  

Nach spätem Einlass: ein Zuschauerpodest und eine davor aufgebaute Guckkastenbühne (Bühne und Kostüme: Julia Heinrichs). Im dämmrigen Schatten des Saallichts warten, links und rechts postiert, Louise (Frederike Duggen) und Mark (Sören Ergang) auf den erlösenden Stückbeginn. Den bringt ein Lichtwechsel. Man befindet sich in einem karg möblierten Raum, links metallenes Doppelstockbett, rechts Kiste, an der Decke Neonröhren und eine Luke mit Kette. Betongrau.

Das Zweipersonenstück beginnt mit einem reichlich chaotischen Dialog, aus dem sich erst nach und nach erschließt, was die beiden in diesen unwirtlichen Raum gebracht hat und sie dort gefangen hält. Was sie reden, bleibt ambivalent, wie ihr beider Verhalten. Louise, die einen Filmriss hatte, beginnt an Marks Ehrlichkeit zu zweifeln. Verdächtigungen. Mutmaßungen über das, was wirklich passierte, und die Absichten von Mark.

Vor unseren Augen entwickelt sich eine Beziehungskiste unter verschärften, ausweglos erscheinenden Bedingungen. Dass „Nach dem Ende“, so Sascha Löschner, „die ultimative Parabel auf den 11. September und seine Folgen“* sei, scheint weit hergeholt und bleibt für das Geschehen auf der Bühne unerheblich.
Seine Dynamik erhält das Beziehungsdrama durch vielschichtige, dennoch durchsichtige Motive, die den unterschiedlichen Charakteren und einem fragwürdigen geschlechterspezifischen Rollenverständnis der beiden geschuldet sind.

Mark und Louise werden in ihrer hoffnungslosen Verstrickung blind für die mörderischen Konsequenzen, die sie heraufbeschwören. Angst und Machtrausch, je nach erkämpftem Besitzwechsel eines längeren Küchenmessers. Die Handlung treibt unaufhaltsam in die Katastrophe. Die Rettung kommt in letzter Minute von außen.

‚Nach dem Ende‘, so ist auch die Schlussszene überschrieben, besucht sie ihn im Knast. Er unterzieht sich gerade einer Therapie, sie hat die ihre abgebrochen, sie kann mit ihrer Therapeutin nichts anfangen. Sie provoziert ihn mit kleinen Grausamkeiten, die nicht mehr verfangen. Er will keinen Streit mit ihr.  Eins aber wird klar, auch sie ist nun von ihm abhängig – ein Ende dieser Geschichte ist nicht abzusehen.

Frederike Duggen, die am Abend zuvor die „Julia“ gab, spielt die „Louise“ mit großer Härte und zynischer Stringenz, völlig aufgehend und zum Untergang bereit in einer Art Geschlechterkampf gegen das „Arschloch“ Mark. „Ewig hinanziehend Weibliches“ ist in ihrer Rolle nicht angelegt. Ob sie ihrer Koketterie, mit der sie Mark zu provozieren hat, ein wenig Charme hätte beifügen können? Aber es war auch so gut. Denn wollte man Zeitbezüglichkeit herstellen, dann bot sich ja genau hier eine Gelegenheit: seelenlose Gesellschaft – psychische Verkrüppelung.  

Mark (Sören Ergang) ist in Wahrheit der Unterlegene, der geistig Schwächere, ein in Louise verliebter Loser, der den ständigen Herabsetzungen durch sie nicht gewachsen ist. Ebenso wenig kann er mit der schlecht kalkulierten, vielleicht sogar spontanen Entführung Louises umgehen. Ergang spielt mit großer Überzeugungskraft die für Mark nicht aushaltbare Erkenntnis, dass sein Liebeskonzept nicht aufgeht, dass er auch trotz Einsatzes seiner körperlichen Überlegenheit bei ihr nicht zum Zuge kommt.

So weit, so gut, wenn es denn dabei geblieben wäre!

Die Regisseurin geht mit der Zeit. Sie scheint sich einer Art „Marktprinzip“ verpflichtet zu fühlen, wonach jedes neue Modell die alten toppen muss, und sei es im Äußerlichsten. So verfiel sie darauf, in ihrer Inszenierung all das zeigen zu wollen, worum sich die anderen bisher „herumgedrückt“* hatten.

Für Sören Ergang bedeutete das, die „Herausforderung“ annehmen zu müssen, „in dem Stück im wahrsten Sinne des Wortes alle Hüllen fallen zu lassen, schutzlos zu sein.“* Zitat: „Als Schauspieler keine Scheu zu haben, alles zuzulassen – das musste ich so radikal vorher noch nie.“* 

Worum ging es?

Zum Beispiel um folgende Regieanweisung des Autors aus dem Textbuch:

 „Sie sitzt angekettet an ihr Bett, er sitzt am Tisch, masturbiert, spricht mit sich und murmelt unverständliche Wortfetzen. Er blickt bewusst zu ihr rüber, aber so, als wäre sie gar nicht da. Das geht so eine ganze Weile. Er kommt. Wischt sich mit den Dungeons und Dragons-Blättern ab. Sitzt keuchend da, seinen Schwanz in der Hand. Er sieht sie von unten an, als nähme er sie zum ersten Mal wahr. Senkt den Blick. Beginnt zu weinen. Fängt an, an sich herumzuspielen. Bekommt eine Erektion. Masturbiert wieder, starrt sie an, immer noch weinend. Sie starrt ausdruckslos ins Nichts.“

Die Regie will das ernst nehmen. Das schwarz auf weiß Gedruckte scheint zu suggerieren, es sei wörtlich gemeint.

In einem Roman ginge diese pornographische Szene so durch. Aber auf der Bühne?

Ernstnehmen scheint hier zu bedeuten, so viel zu zeigen, wie physisch in der stressbesetzten Bühnensituation möglich ist. Und Hinrichs setzt es durch, und Ergang um: Marks entblößten Unterleib, seinen Schwanz und dessen Manipulationen sowie das geforderte Keuchen. Erektion und Ejakulation („Er kommt.“) wird der Phantasie des Betrachters überlassen.

Vorab berichtet die Presse: „Nichts für schwache Nerven“*. Nicht nur dem Schauspieler, auch „den Zuschauern werde nichts erspart.“* Allerdings, was da genau passiere, wollten „Löschner und die Regisseurin nicht verraten.“*

Die Regie ging mit den pornographischen Momenten der Textvorlage um, als produzierte sie Filmszenen. Sie vernachlässigte, dass das Verhältnis zwischen den Darstellern auf der Bühne und ihrem Publikum ein gänzlich anderes ist als beim Film – insbesondere bei entsprechenden Filmen.

Ein Schauspieler spielt in der Regel peinliche Situationen seiner Figur, ohne dass ihm das peinlich sein müsste, wenn er denn gut spielt. So wie der Zuschauer sich nicht für den Schauspieler schämen muss, da er ihn nicht mit der von ihm gespielten Figur verwechselt.

Masturbieren ist nun anerkanntermaßen sowohl eine intime als auch triviale, als solche schon im Tierreich anzutreffende Handlung zur sexuellen Lustgewinnung. Sie ist beim Menschen situationsbedingt an ein gewisses Schamgefühl gebunden. Spricht man doch auch nicht von falscher Scham, wenn einer dies in aller Öffentlichkeit zu tun vermeidet. Im Gegenteil.

Um auf die zitierte Regieanweisung zurückzukommen: Man kann und  man muss sie deuten als die Beschreibung dessen, was auf der Bühne zwischen den Protagonisten geschieht, nicht als Beschreibung von etwas, das eins zu eins vom Zuschauer gesehen werden soll. Das heißt, dem Publikum muss nicht, ja darf nicht in natura vorgeführt werden, dass und wie masturbiert wird. Nur so ist der Zuschauer kann frei ermessen, was es für Mark und Louise bedeutet, wenn er es in dieser Situation in ihrer Gegenwart tut.

Es ist also ein grobes Missverständnis, zu meinen, die platte Konfrontation mit dem obszön Trivialen wäre das vom Autor Gewollte. Denn indem man das Masturbieren indiskret am entblößten Subjekt zeigt, entzieht es sich, wie oben gezeigt, seiner eigentlichen dramaturgischen Bedeutung, fällt sozusagen aus dem Rahmen des Stücks, verselbstständigt sich und wird, quasi ins Performatorische gewendet, zum Selbstzweck.

Während sich Louise von Marks demonstrativem Sichselbstbefriedigen wenig beeindrucken lässt,  soll dem Publikum genau dies nicht erspart werden. Warum eigentlich?

Das Publikum dergestalt zum Objekt zu machen, rächt sich. Denn dramaturgische Absicht kann nicht sein, was nun passiert:

Das Publikum kann den Schauspieler und seine Rolle nicht mehr unterscheiden. Die Leute versetzen sich in seine Lage als Tabubrecher, sie fühlen sich in den Menschen ein, sie empfinden die Scham dessen, der sich nicht schämen darf. Da hilft auch nicht, dass Ergang beteuert: „Die Psychologie dieser Figur hat mit mir nichts zu tun.“* – Das Triviale hat als Selbstzweck der Regie von ihm Besitz ergriffen … Es ist nur peinlich!

Denn: Tabubruch wird nicht zu Kunst, nur weil man ihn auf der Bühne begeht. Der Mut, den die Regisseurin hier vom Künstler verlangt, hält keinem künstlerischen Kriterium stand, er ist kein Mittel, künstlerische Horizonte und Fähigkeiten zu erweitern, was gleichermaßen Künstlern und Kunst diente. Dieser Mut taugt einzig dafür, berechtigte Scham zu überwinden, gewissermaßen schamlos zu machen. Dieser Mut lässt den Künstler zum Mittel ehrgeiziger Willkür werden.

Das alles bleibt nicht folgenlos: Es beschädigt die Person des Darstellers, die Inszenierung selbst und nicht zuletzt die Idee eines humanen Theaters. Unabdingbar stellt sich deshalb die Frage nach künstlerischer Verantwortung und einem Berufsethos, das sich der Wahrung der Würde eines jeden einzelnen Menschen verpflichtet fühlt!

*Zitat aus Greifswalder OZ/Lokal vom 9./10 März 2013

 

Romeo und Julia am Theater Vorpommern

15 Mrz
SHAKESPEARE ODER BRASCH ODER WAS – Die andere Kritik (6)

Am 2. März gab es am Theater Vorpommern in Greifswald eine Premiere. Auf dem Spielplan stand:

 William Shakespeare/Thomas Brasch
Romeo und Julia –
Liebe Macht Tod

Was durften die Besucher auf diese Ankündigung hin erwarten? Die älteren kennen ihren Shakespeare mehr oder weniger, die Jüngeren eher nicht. Aber wer kennt Thomas Brasch? Ließ sich das Theater durch diesen Umstand dazu verleiten, Etikettenschwindel zu betreiben? Grundlage der Inszenierung war doch immerhin nicht Shakespeare, sondern Thomas Braschs

 LIEBE  MACHT TOD
oder
Das Spiel von Romeo und Julia
nach William Shakespeare

Das ist dem Programmheft nicht zu entnehmen. So bleibt im Trüben, was das Publikum berechtigt ist zu erfahren. Auch sonst ist auf den 26 Seiten nichts Erhellendes über das Zustandekommen, über Ideen oder Absichten dieser Inszenierung zu erfahren. Leider!

Wer Brasch gelesen hat, kann feststellen: Shakespeare wird von Brasch auf hohem Niveau auf für ihn Unverzichtbares reduziert und mit neuen Elementen angereichert. Seine Adaption wurde so zu einem eigenwilligen und eigenständigen Stück. Die Regie/Dramaturgie (André Rößler/Sascha Löschner) dünnt nun wiederum Brasch erheblich aus und nimmt ihm dabei genau das, was seine Originalität ausmacht. Die Wahl fiel vermutlich auf Brasch, weil dessen Übersetzung der Regie  geeigneter erschien, sexistische und sexualisierende Sequenzen deutlicher herauszuarbeiten, da sie nicht versuche „Shakespeare zu glätten“ (Roßner/OZ) und sie „die derbe Sprache … des Elisabethanischen Zeitalters“ wiedergebe. Diese dann ins Pubertär-Ordinäre zu transponieren, bleibt anscheinend schon obligatorischem Onanier- und Kopulationsgebaren vorbehalten.

Ob diese Tendenz nun wirklich für eine Kritik an „der heutigen Zeit des Turbokapitalismus“ (OZ) taugt, die im Übrigen als Fehlanzeige verbucht werden kann, oder ob es eher auf eine Banalisierung von Theater selbst zurückweist, das einem kaputten Zeitgeist erliegt, statt ihm zu widerstehen, mag der Zuschauer selbst entscheiden.

Worum es sich nun aktuell bei Shakespeare/Brasch handelt, die eigentliche Handlung, wird durch Streichungen, Umstellungen, Zusammenfassung von Rollen und Simplifizierungen von Ort und Zeit sinnvoll nicht mehr nachvollziehbar.

Dazu trägt bei, dass die vom Regisseur bemühte „Zeichenhaftigkeit“ (OZ) des Theaters, die angeblich so „viel mehr bewirken“ kann als „eine historisierende Aufführung“, sichtlich überstrapaziert wird. Wo Sinn fehlt, kann auch ironisch Gemeintes nicht weiterhelfen. Wird bei  Brasch noch Gift genommen, erstochen und erschlagen, um ins Jenseits zu befördern, wird dies nun durch Laser-Schwertimitationen, ein zu kompakt geratenes Rasiermesser, eine schallgedämpfte Pistole oder schlicht durch einen am Herzen zu zerdrückenden Luftballon erledigt. Eine Videowand sendet hintergründige sich bewegende Bilder und designte Lichteffekte zu vordergründiger Handlung, und bei Jugendlichen beliebte Metal-Sounds untermalen Prügel- und Fechtszenen. Und…  jeweils in Grün oder Rot gehaltene Kostüme werden bemüht, die verfeindeten Familien besser kenntlich zu machen. Und…

Überhaupt, die Kostümierung (Simone Steinhorst)! Sie ist wenig geeignet, den Darstellern hilfreich zu sein bei der Erarbeitung eines ernst zu nehmenden Charakters ihrer Figuren. Liebe, die von Belang sein will, kommt ohne Charakter, ohne innere Schönheit, ohne das Wunder der gefühlten Einmaligkeit zweier sich Liebender und die daraus erwachsende Kraft, auch den Tod auf sich zu nehmen, nicht aus. Das will gespielt sein. Aber dieses Spielen gelingt nicht. Ist das Talent der jungen Schauspieler überfordert, oder ist es die Regie?

Romeos (Felix Meusel) und Julias (Frederike Duggen) Agieren bleibt zu beliebig, gerade dann, wenn sie von Liebe sprechen. Gleichmütig lässt Rößler sie oft choreographisch, wie auch die anderen Figuren, zu ihren Szenen aufmarschieren. Romeo, mit mickriger Gitarre ausstaffiert und jämmerlichem Singsang, soll er ironisch punkten? Und wenn die beiden sich nah kommen, vermitteln sie die Distanziertheit einer Stellprobenatmosphäre. Coolness muss zwar nicht enden, wo die Intimsphäre beginnt, wohl aber hat sie im Bezirk liebender Intimität nichts zu suchen. Und so bleibt das Paar blass, bis es im Tod erbleicht.

Was für das Liebespaar den sofortigen Tod bedeuten würde – holzschnittartiges Karikieren, findet desto lebhaftere Anwendung beim übrigen Personal.

Paris (Ronny Winter), bei Brasch „ein Edelmann von Adel, Mann mit Geld und Gütern“, verkommt zu einer Witzfigur, zu einem selbstverliebten Geck mit psychopathischen Zügen.

Julias Mutter Lady Capulet (Gabriele Völsch a.G.) muss die Schlampe geben, die andeutungsweise was mit Tybalt (Alexander Frank Zieglarski) hat, der stets ungestüm und im Kostüm eines jungen Rübezahl auftreten darf.

Julias Amme (Monika Gruber a. G.) hat so gar nichts Mütterliches und geriert sich als geile Maulheldin, dass man fragen muss, warum Julia an ihr hängt und ihr vertraut.

Die Eltern Romeos, die Lady wurde gleich ganz gestrichen, spielen faktisch keine Rolle.

Blass auch Vater Montague (Jan Bernhardt). Er absolviert unaufwendig seine Auftritte in einem an Waldwirtschaft erinnernden Gutsverwalterlook.

Benvolio (Sören Ergang) und Mercutio (Dennis Junge), die hier mit gestrichenem Gesinde verschmelzen, bekommen keine Chance, anders denn als zweifelhafte Freunde und Raufbolde in Erinnerung zu bleiben.

Zalando (Marco Bahr) ist der Geniestreich dieser Inszenierung! Die Rolle wurde erfunden, um für den Zusammenhalt dieser Inszenierung notwendig ausgewählte Funktionen von gestrichenem Personal   zu erfüllen (Bruder Laurence, Prinz etc.).

Bahr tut, wie immer, sein Bestes und gibt ein schillerndes Faktotum, das seine unmaßgebliche Wichtigkeit beherzt über die Rampe zu bringen sucht, die Zuschauer quirlig durchs Programm führt und sie kurzzeitig die Ungereimtheiten seiner mit platten Zeitbezüglichkeiten angereicherten Figur vergessen lässt. – Recht glücklich scheint er in dieser Rolle nicht zu werden, bleibt Zalando am Ende doch auch nur eine Karikatur – man weiß nur nicht, wovon.

Scheinbar unbeeindruckt von alledem: Markus Voigt als Capulet. Souverän und glaubwürdig umschifft er die Untiefen und Klippen dieser Inszenierung. Man nimmt ihm alles ab: seinen ehelichen Überdruss, sein Wissen um das Treiben seiner Frau und die Intrigen der Amme, seine Liebe zu Julia, die sein einzig Glück und Trost ist, sein autoritäres Auftreten und sein Pochen auf bedingungslosen Gehorsam, die Ausblendung der Verzweiflung, in die er seine Tochter stürzt und letztlich auch seinen Schmerz über ihren Tod und seine Reue.

Markus Voigt gelingt die Verkörperung eines zutiefst widersprüchlichen Charakters durch ein großes Talent und ein reichhaltiges Arsenal an schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten, das ihm zur Verfügung steht – Handwerk eben!

Es hieß, man habe eine Inszenierung vor allem für die Jugend machen wollen! Mir scheint, dieser Anspruch war zu hoch, oder besser, er war falsch. Shakespeare light, Brasch light? Brecht entgegnete einmal auf die Forderung nach Volkstümlichkeit, also gewissermaßen nach einem Brecht light, das Volk sei nicht tümlich! Kann man es netter ausdrücken?

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Was bleibt nun auf die eingangs gestellte Frage zu antworten? Statt Shakespeare oder Brasch – Shakespeareverschnitt… Nur manchmal scheint durch die Kakophonie des Banalen ein Text auf, der erahnen lässt, was weithin nicht stattfindet: Kunst!

„Wichtig erscheint mir, nicht auf eine dumme Art modern zu sein, das Stück soll in seiner Zeit belassen werden.“ Thomas Brasch

PS: Nach der Premiere besuchte ich auch die Vorstellung am 9. März, um meinen Eindruck gegebenenfalls zu revidieren.

 

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