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Kann Raumfahrt Menschheit retten?

23 Jul

Zum Bremer Weltraumforschungskongress

Wenn der blaue Planet eines Tage keine Heimat mehr ist, müssen andere Planeten besiedelt werden, sagen Weltraumforscher. Das klingt fantastisch, es wird aber schon darüber nachgedacht.“ So das Kurzgefasste zu PETER INTELMANNS Beitrag „Die Welt ist nicht genug“ in der der Ostseezeitung vom 22. Juli.

Und in der Tat, es scheint Eile geboten. Die menschliche Produktiv- und Reproduktionskraft, so der allgemein und zynisch reflektierte Eindruck, wirkt mit Macht darauf hin, unseren Planeten unbewohnbar zu machen. „Klima- oder Weltbevölkerungskollaps“ scheinen schicksalhaft, also unausweichlich über uns hereinzubrechen. Und so machen sich denn ambitionierte Wissenschaftler anheischig, wenn schon nicht die Welt, so doch wenigstens die Spezies Mensch zu retten und langfristig den Exodus einer dann wohl eher kleinen auszuwählenden Schar ins Werk zu setzen.

Es geht bei Licht besehen hier um nichts weniger als um die ins Moderne gewendete Frage nach einem Leben nach dem Tod: die Frage nach der Fortexistenz der Gattung Mensch nach dem Tod der Erde. Bei aller gebotenen Skepsis – zumindest eines verheißt das Projekt mit großer Gewissheit: ein ungeheures Geschäft. Waren die Menschen nicht von jeher dazu bereit, ihr letztes Hemd für derlei Hoffnungen zu geben. Dabei käme es doch viel eher darauf an, die nicht ganz abwegige Frage nach einem Leben vor dem Tod, einem menschenwürdigen Leben, zu beantworten und es Wirklichkeit werden zu lassen – Milliarden hoffen vergebens darauf . Gibt es da nicht einen Zusammenhang zwischen den Verwüstung dieser unserer wunderbaren Erde und den Träumen der um ihr Leben Betrogenen auf der einen Seite, und dem unermesslichen Reichtum und den wahnwitzigen Träumen nach neuen Lebensräumen auf der anderen Seite? Sind dies nicht gleichermaßen Produkte einer mit unerbittlicher Gewalt auch noch die letzten Winkel unseres Globus erobern wollenden Lebensweise, die sich dünkt, der Weisheit letzter Schluss und ultimativer Wohlstandsgenerator zu sein – und ist doch nur die vielleicht letzte Torheit und tödliche Anmaßung eben jener Spezies Mensch, deren Aussicht auf Rettung jenseits dieser Erde auf dem zur Zeit in Bremen stattfindenden „größten Weltraumforschungskongress der Welt“ zur Debatte steht. Ob die 3600 Teilnehmer die Muße finden werden, zu erörten, wen sie da eigentlich retten wollen, und ob da, wohin sie Menschen schicken wollen, es besser mit ihnen gehen wird? „Woher so große Hoffnung?“… Da ist ein Zweifeln doch in jeder Hinsicht angemessen.

Bedenkt man es recht, scheint eines sicher: Ist die Menschheit nicht imstande, ihre Probleme auf diesem Planeten human, im Einklang mit der Natur zu lösen, wird auch der Start in eine andere Welt misslingen. Sollte es ihr aber aller bisherigen Erfahrung zum Trotz (und warum eigentlich nicht) gelingen, verlöre die wissenschaftliche Erkundung des Weltraums den Charakter einer kostspieligen Heilsbotschaft und Erlösungslehre. Weltraum taugt je nicht zum Wellnesstraum, und wir werden letztlich doch lernen müssen, damit zu leben, dass nichts ewig währt – auch nicht die Menschheit in immer neuen Räumen!

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