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Ernst Moritz Arndt, der fatale Patron

2 Mrz

Was noch täglich in der Greifswalder Ostseezeitung gegen die Umbenennung der Greifswalder Universität zu lesen ist, zeigt die ganze Fatalität dieses Patrons, und dass wir auch hier, wo alles angeblich mit fünfzigjähriger Verspätung eintritt, zügig im postfaktischen Zeitalter angekommen sind!

Besser und historisch gerechter als Jörg Schmidt kann man den „Geistesheroen“ Arndt, grade auch   i n  und  a u s   s e i n e r  Z e i t   h e r a u s,   nicht würdigen!

Fataler Patron

Noch immer tragen deutsche Schulen, Kasernen und eine Universität den Namen des völkischen Ideologen und Antisemiten Ernst Moritz Arndt
Von Jörg Schmidt
24. Februar 2009, 11:26 Uhr / Editiert am 30. Juli 2009, 16:17 Uhr / Quelle: (c) DIE ZEIT 5. 11. 1998

Im April 1933, die neue Ära hat gerade begonnen, beantragt der örtliche Leiter des Stahlhelms Professor Walter Glawe, der Greifswalder Universität den Namen Ernst Moritz Arndt zu verleihen. Pflichtgetreu folgt der Senat der Hochschule dem Antrag. Im Mai 1933 dann endlich aus Berlin der positive Bescheid vom preußischen Staatsministerium: „Der Universität Greifswald, an der Ernst Moritz Arndt als Student und Hochschulprofessor stets für die Freiheit, die Ehre und die Macht des Deutschen Vaterlandes an erster Front gekämpft hat, wird hiermit der Name ,Ernst Moritz Arndt Universität‘ verliehen.“

Genau zehn Jahre später: Auf der Gründungsversammlung des Nationalkomitees Freies Deutschland im Juli 1943 in Krasnogorsk bei Moskau berufen sich die soldatischen Widersacher Hitlers auf Ernst Moritz Arndt. Hatte er nicht vorausschauend in seinem Soldatenkatechismus gepredigt, daß selbst ein Fahneneid auf den Führer einen deutschen Soldaten nicht binde? „Denn wenn ein Fürst seinen Soldaten befiehlt, Gewalt zu üben gegen die Unschuld und das Recht, (…) müssen sie nimmer gehorchen.“ Ernst Moritz Arndt wird zum Kronzeugen der antinationalsozialistischen Propaganda des Komitees. Überall ist er präsent. Die Anfangstakte seines Kampfliedes Der Gott, der Eisen wachsen ließ bilden das Erkennungszeichen der Radiosendungen. Und die Grabenlautsprecher des Komitees beschallen die Gegenseite mit Arndts pathetischen Worten zu deutscher Soldatenehre.

Zur selben Zeit (1943) veranstaltet die Ernst Moritz Arndt Universität in Greifswald eine Arndt-Woche. Auch hier dienen seine Schriften der moralischen, soldatischen und nationalen Aufrichtung: zur Stärkung des nationalsozialistischen Kampf- und Durchhaltewillens nach Stalingrad.

Und noch einmal Arndt, zwanzig Jahre später: Nachdem die Greifswalder Universität seinen Namen 1945 zuerst inoffiziell abgelegt hatte, folgt 1954 die Kehrtwende. Der Senat der Hochschule beschließt die Wiedereinsetzung des Namens. Im August 1954 teilt der Staatssekretär für Hochschulwesen der Hochschule mit, daß, da der Name der Universität nach dem Krieg nie aufgehoben worden sei, die Universität weiterhin den Namen Ernst Moritz Arndt Universität trage. Und er gibt zu bedenken: „Wir empfehlen (…), bei passenden Anlässen (…) das grosse patriotische, von den Hitlerfaschisten verfälschte Streben und Wirken Ernst Moritz Arndt’s zu erläutern und aus deren Darstellung anspornende Kraft für die Erfüllung unserer gegenwärtigen Aufgaben zu gewinnen.“

Die Grabenkämpfe zur Inanspruchnahme des Deutschesten aller Deutschen wurden von links und rechts geführt. Betonten die einen den streitbaren Patrioten und Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, feierten ihn die anderen als Überwinder Napoleons, als Erwecker der deutschen Nation und nicht zuletzt als unermüdlichen Kämpfer gegen den französischen Erbfeind: „Zu den Waffen! Zu den Waffen! Zur Hölle mit den wälschen Affen! Das alte Land soll unser seyn!“

Bis vor fünfzig Jahren galt Ernst Moritz Arndt als einer der berühmtesten Deutschen. Hatte ihn nicht sogar Friedrich Gundolf 1924 in das Elysium der Geistesheroen erhoben? Neben Luther habe es „keinen gewaltigeren Warner“ und „geisterfüllteren Kritiker“ gegeben. Dies würde zwar heute niemand mehr von dem kleinen knorrigen Vorpommern behaupten wollen. Dennoch ist Ernst Moritz Arndt überall in Deutschland präsent: Straßen, Schulen, Kasernen tragen seinen Namen – und, nach wie vor, die Universität in Greifswald. Die Frage ist nur: Können sich Institutionen einer Demokratie, kann sich die Republik wirklich guten Gewissens auf ihn berufen?

Ernst Moritz Arndt, geboren am 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz auf dem damals schwedischen Rügen, kommt aus engen Verhältnissen. Sein Vater – noch als Leibeigener geboren – ist Angestellter des Grafen von Putbus, doch bald schon pachtet die Familie ein eigenes Gut auf Rügen. Diese bäuerlich-patriarchalische Herkunft prägt Ernst Moritz Arndt grundlegend, und der Kampf gegen das Zerbrechen der sozialen ländlichen Harmonie wird ihm später ein wichtiges Thema. Von 1791 an studiert er Theologie und Geschichte in Greifswald und Jena. 1794 kehrt er nach Vorpommern zurück, wo er „auf eine unbeschreiblich leichte Weise“ sein theologisches Examen ablegt. Die Bahnen scheinen bereitet für eine klassisch-bürgerliche Existenz.

Doch dann flieht Arndt die ausgetretenen Pfade. Eineinhalb Jahre reist er durch Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien und Frankreich. Auf der Reise gibt er sich als Schwede aus, da der Name eines Deutschen in Europa „stinkend“ geworden sei. Die zentralen Momente von Arndts Denken zeigen sich: Kampf gegen das nationale Unterlegenheitsgefühl, besonders gegenüber der politischen und kulturellen Leitnation Frankreich, und seine Völkerpsychologie. So bewundert er den Nationalcharakter der Ungarn. Anders als die jede Nation nachahmenden Deutschen besitzen die Ungarn einen eigentümlichen „Nationalcharakter, der allein (…) ein Volk macht. Wem dieser Nationalcharakter, dieses Unterscheidende, fehlt, dem fehlt auch ein Land, das ihn zusammenhalte (…).“ Arndts Einschätzung ist gleichzeitig Appell an die Deutschen: Bewahrt euren Nationalcharakter! Verliert euch nicht in kosmopolitischen Träumereien …

Und dann Paris: Mit großen Augen durchstreift er Straßen und Winkel der Stadt. Wie schon in Wien und Budapest zieht ihn seine aufklärerische Libido in die Nähe der Huren, der „Schwesternkongregationen der Straße“. Nicht idealisierend oder dämonisierend – nein: neugierig und fasziniert beobachtet er das Treiben im Hallenviertel. „Nicht einzeln (…) gehen hier die Mädchen und Weiber auf den Fang aus, sondern in ganzen Haufen und oft lauern einige handfeste Kerle im Hinterhalte mit Knüppeln, wenn das geenterte Schiff sich nicht gutwillig schleppen lassen will.“ All seinem späteren Franzosenhaß zum Trotz – noch rühmt Arndt die Franzosen als Nation, die er „ewig lieben“ müsse. Doch seine nationalen Visionen werden diese Reiseerfahrung bald erfolgreich verdrängen.
Deutschland, die Nation wird ihm zur Religion

Zurück in Greifswald, schwört er der Theologenlaufbahn ab und habilitiert sich 1800 als Privatdozent für Geschichte. Mit seinem drei Jahre später erscheinenden sozialreformerischen Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen greift er in das politische Leben ein. Die Schrift macht ihn schlagartig berühmt und führt mit zur Abschaffung der Leibeigenschaft in Pommern 1806.

Doch bald schon geht sein Blick gen Westen. Napoleons Siegeszug durch Europa wandelt den schwedischpommerschen Royalisten Arndt zum deutschen Patrioten. Ein schwedischer Offizier namens Gyllensvärd muß es am eigenen Leib erfahren. Arndt beschuldigt ihn, „ein schlechtes Wort über das deutsche Volk fallen“ gelassen zu haben. Drei Tage später findet das Duell statt. Die Kugel des Offiziers trifft Arndts Bauch. Sechs Wochen strenge Bettruhe für die deutsche Ehre …

Schließlich zwingt Napoleons Sieg über Preußen bei Jena und Auerstedt den soeben ernannten außerordentlichen Professor für Geschichte zur Flucht ins „schwedische Exil“ – hat er doch im ersten Band seiner historischpolitischen Aufsatzsammlung Geist der Zeit (1806) zum Widerstand gegen die französische Expansion aufgerufen. Er fordert eine Wiederbelebung des deutschen Nationalbewußtseins und den Kampf gegen die einseitige Geistigkeit der Zeit.

Bekennend schreibt er 1807 an Charlotte von Kathen: „Mein deutsches Vaterland und seine heilige Sache verlasse ich nicht, so lange noch ein Tropfen Blut in mir warm ist. Ich fühle jetzt inniger als je, daß ich den Deutschen angehöre und keinem andern Volk angehören könnte noch möchte.“

Ernst Moritz Arndt hat sein Thema gefunden: Kampf dem Kosmopolitischen und Rationalistischen. „Es waren die sogenannten Philanthropen, Kosmopoliten in ihren Träumen (…) und wenn man will veredelte Juden (…); sie schlossen die ganze Welt in den weiten Mantel ihrer Liebe ein, aber übersahen nur, daß die Leute zu Hause froren.“ Die Nation wird ihm zur Religion. Arndt ruft die Deutschen zu den Waffen: „Ein einiges Volk zu sein, sei die Religion unserer Zeit, die höchste Religion sei das Vaterland lieber zu haben als Herren, Weiber und Kinder, die höchste Bestimmung des Mannes sei, für Gerechtigkeit und Wahrheit zu siegen oder zu sterben.“
Germanisches Blut darf sich nicht mit jüdischem vermischen

In den Jahren zwischen 1812 und 1814 erreicht er den Höhepunkt seiner Laufbahn. Als „Politoffizier“ des Freiherrn von Stein sitzt er am Zarenhof in Petersburg im politischen Zentrum der russisch-deutschen Erhebung. Die ideologische Vorbereitung des deutschen Kampfes gegen Napoleon, jenes „erhabene Ungeheuer“, ist seine große Aufgabe. In unzähligen Flugschriften fordert er Mut und Opferbereitschaft von den Deutschen. Das Ziel: die Restitution des deutschen Volkes. Die Aufgabe: Kampf gegen die Franzosen und die partikularistischen Interessen einzelner deutscher Fürsten. „Wir ringen um die Wiedererschaffung eines teutschen Volkes aus den Völkchen: das will Gott.“

Arndts Flugschriften predigen und hämmern die neue nationale Ideologie in das Bewußtsein seiner Zeitgenossen. Wie kaum ein politischer Schriftsteller vor ihm trifft er den Ton der einfachen Leute. So wird er tatsächlich zu dem nationalen Volkserzieher. Unermüdlich predigt er Haß gegen den französischen Feind, „das Reich Satans“. Aktuelle Themen werden von ihm so formuliert, daß sie „Zündpulver“ für die Deutschen und „Rattenpulver für die Franzosen“ sind. Doch Arndts Völkerhaß ist nicht nur rhetorisches Mittel der Demagogie, er ist integraler Bestandteil seiner nationalen Ideologie: „Das ist des Deutschen Vaterland / Wo Zorn vertilgt den welschen Tand / Wo jeder Franzmann heißet Feind, / Wo jeder Deutsche heißet Freund (…).“ Gegen Kampf und Vision haben die Reiseerfahrungen bei Arndt kein Chance.

Nach 1815 ändert sich die Situation. Die Restauration hält Einzug. Arndts massive Fürstenschelte im vierten Teil seines Geistes der Zeit (1818) führt zu einem Eklat. Der Held der Freiheitskriege wird 1820 in Folge der Karlsbader Beschlüsse von seiner Professur für Geschichte an der Universität Bonn suspendiert. Erst im Juli 1840 begnadigt ihn Friedrich Wilhelm IV. Und ein letztes Mal noch steht Arndt – mittlerweile 79jährig – auf der politischen Bühne. Vom „stählernen“ Kreis Solingen gewählt, zieht er 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung ein. Ihm zu Ehren erheben sich die Abgeordneten und singen sein zum Volkslied avanciertes Was ist des deutschen Vaterland? Republikanische Ideen wird Arndt jedoch als rechter Liberaler weiterhin verschmähen. Enttäuscht verläßt er das Parlament nach der Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. Hochbetagt und hochverehrt, stirbt er am 29. Januar 1860 in Bonn.

Bei allem Respekt für den mutigen und zuweilen kauzigen Publizisten – die Basis seines Denkens bildet eine rassistische, in Ansätzen biologistische Völkerpsychologie: Klima und Sprachen grenzen für ihn die Völker naturgesetzlich voneinander ab, die durch göttliche Weisung an ihren Platz auf der Erde gestellt wurden.

Auf gefährliche Weise verändert Arndt das Differenzierungsaxiom Montesquieus, wonach jede Nation sich nach ihren klimatischen und kulturellen Besonderheiten entwickeln müsse. Die prinzipielle Einheit und Gleichheit des Menschengeschlechts hatte Montesquieu nie in Frage gestellt. Anders Arndt: Völker sind grundsätzlich unterschiedlich. Die Kerne der Nationen – Nation gleich Volk – bilden unveränderliche Nationalcharaktere, die von Gott „verliehen“ wurden. „Die einzige gültigste Naturgrenze macht die Sprache. Die Verschiedenheit der Sprachen hat Gott gesetzt (…). Die verschiedenen Sprachen machen die natürliche Scheidewand der Völker und Länder, (…) damit der Reiz und Kampf lebendiger Kräfte und Triebe entstehe (…).“ Auf zum Kampf der Nationen!

Eine Mischung – „Verbastardung der Nationen“ – muß verhindert werden. Vor allem die mit französischem Blut, das „wie ein betäubendes Gift den edelsten Keim angreift“. So wundert es nicht, daß Arndt auch vor einer Mischung mit jüdischem Blut warnt. Zwar sei durch den Übertritt zum Christentum in der zweiten Generation der „Same Abrahams“ kaum noch zu erkennen, „aber die Tausende, welche die russische Tyrannei uns nun noch wimmelnder jährlich aus Polen auf den Hals jagen wird“, „die unreine Flut von Osten her“, bereiten ihm Bauchgrimmen. Zudem orakelt er von einer jüdisch-intellektuellen Verschwörung, „denn Juden oder getaufte und (…) eingesalbte Judengenossen habe sich der Literatur, der fliegenden Tagesblätter wohl zur guten Hälfte bemächtigt und schreien ihr freches und wüstes Gelärm, wodurch sie (…) jede heilige und menschliche Staatsordnung als Lüge und Albernheit in die Luft blasen möchten.“

Zeitlebens arbeitet Arndt vehement am deutschen Überlegenheitsmythos und an deutscher Mission. Es sei „der kräftige lebensvolle und saftvolle Wildling, Germane genannt“, dem Gott die edelsten geistigen und körperlichen Eigenschaften eingepflanzt habe. „Der Germane und die von ihm durchschwängerten und befruchteten“, also kulturell germanisierten „Romanen“ bilden den Höhepunkt der Menschheitsentwicklung und werden die „umwohnenden Völker fremder Art als Allherrscher beleben und leiten“.

Zu seinem Bedauern stellt Arndt fest, daß die verzagten Deutschen bisher ihre nationalen Möglichkeiten nicht genutzt haben. „Wir spielen doch immer nur noch in deutschen Anfängen (…). Aber ich hoffe, die Deutschen werden (…) in einem großen Volkskampf mit Russen oder Franzosen, der uns zur Vollendung durchaus nothwendig seyn wird, durch den Geist, den sie wirklich vor allen Europäern tragen, endlich einmal ihr volles Volksland und Volksrecht, ihre Weltlehre und ihr Weltrecht erringen (…).“

So werkelt und meißelt Arndt fleißig am Mythos des nationalen Erlösers. „Es wird ja hoffentlich einmal eine glückliche deutsche Stunde für die Welt kommen und auch ein gottgeborener Held, (…) der mit scharfem Eisen und mit dem schweren Stock, Scepter genannt“, das Reich „zu einem großen würdigen Ganzen zusammenschlagen kann“.

Nun wahrlich, Arndts Traum sollte in Erfüllung gehen, dieser Führer kam! Und wenn heute die Universität Greifswald in einem Prospekt davon spricht, daß „,seine‘ Universität (…) in der Tradition auch seiner Ideen“ stehe, so stellt sich die Frage, ob man in Greifswald (und andernorts, in den Kultusministerien und bei der Bundeswehr) überhaupt weiß, was es mit den „Ideen“ des Ernst Moritz Arndt so auf sich hat. 

(http://www.zeit.de/zeitlaeufte/fataler_patron/komplettansicht)
https://www.facebook.com/arndt.bleibt/ 2000 Luftballons für Arndt

22.02.2017 Wo die Vernunft gefühlten Wahrheiten weicht

In Greifswald proben empörte Bürger den Aufstand gegen die Namensänderung der Universität. Dabei geht es längst nicht mehr um den Rassismus Ernst Moritz Arndts – sondern um Identität. Von Hannah Bethke siehe Link: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/streit-ueber-ernst-moritz-arndt-in-greifswald-14887949.html
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Universität Greifswald

20 Jan

Die Greifswalder Universität verabschiedet sich von „Ernst-Moritz-Arndt“

Man sollte diese Entscheidung einen weltbürgerlichen Akt nennen, der allerdings, wie sollte es wundern, die Diskussion nicht beendet hat. Durch unreflektierte, ressentimentgeladene und verächtlich machende Äußerungen in verschiedenen Medien fühle ich mich veranlasst, meinen vor sieben Jahren zum gleichen Anlass verfassten „Brief“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen:

Dienstag den 16. Februar 2010                                                                                                                          An die Mitglieder des Senats                                                                                                                          der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald

Sehr geehrte Damen und Herren,

im diskursiven Vorfeld der Entscheidungsfindung und der Abstimmung des Senats über die formelle Aufhebung der Verleihung des Namens „Ernst-Moritz- Arndt Universität“  der Greifswalder Universität aus dem Jahre 1933 erlaube ich mir, Ihnen meine Anmerkungen zur politischen Problematik dieser Angelegenheit zur Kenntnis zu geben.

….

„Anmerkungen zur politischen Problematik der Umbenennung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Die Greifswalder Universität will und muss sich der Verantwortung stellen, die ihr aus der aktuellen, öffentlichkeitswirksamen Problematisierung Ernst Moritz Arndts in seiner Eigenschaft als ihr Namenspatron zugewachsen ist.

So wie nach Auschwitz das Verhältnis Deutschlands zu Israel und den Juden auf lange Zeit ein „besonderes“ sein wird, so sollte auch das Verhältnis der Deutschen zu Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein von besonderer Sensibilität geprägtes bleiben.

Wer, wenn nicht die akademischen Vertreter unseres Landes, hätte als Erster diese Sensibilität zu wahren und durch sein Wirken positiven Einfluss auf die politische Entwicklung unseres demokratischen Gemeinwesens zu nehmen?

Die Heftigkeit, mit der der Streit um die Umbenennung von den verschiedensten Seiten geführt wird, deutet auf eine so von vielen nicht erwartete Aktualität untergründiger Konflikte. Deren politischer Charakter liegt auf der Hand.

Und so wird die zu treffende Entscheidung eine ethisch motivierte politische Entscheidung sein müssen

Zu einzelnen Aspekten:

  1. Arndts Rassenwahn

Arndts unheilvollste  Äußerungen sind Ausdruck einer ideologischen Weltsicht, die ihr Heil suchte in einer Kompensation von ins Allgemeine gehobenen subjektiven Gefühlen des Nichtgenügens und des Zukurzgekommenseins, bei gleichzeitigem Größenwahn, durch das Setzen eines fiktiven „teutschen“ Nationalcharakters. Hierbei steigerte Arndt, unter Verhöhnung alles Undeutschen, die hässliche Seite schrullig-kruder Deutschtümelei wahnhaft ins Vorläufige rassentheoretischer Ideologie, die bekanntermaßen im deutschen Nationalsozialismus ihren schandbaren Höhepunkt erreichte.

  1. Arndt und seine Zeit

Nimmt man das entlastend gemeinte Argument ernst, man müsse Arndt in seiner Zeit sehen, so wird man in Bezug auf seine maßgeblichen Äußerungen, die ihn als Namenspatron disqualifizieren,  feststellen müssen, dass Arndt nicht schlechterdings den Zeitgeist bediente, sondern dass er erheblich den „Zeitgeist“ forcierte, indem er als Mann der Worttat das Inhumane, den Ungeist seiner Zeit an vorderster Front schürte. Sein von Sendungsbewusstsein getriebener demagogischer Eifer half mit, dass Humaneres bei seinen Zeitgenossen nicht durchdrang.

Die mitunter plakativ als Argumente „gegen Arndt“ benutzten Zitate  waren keine verbalen Entgleisungen, sondern wohlbedacht platzierte rhetorische „Spitzenleistungen“ seiner ansonsten durch die verschiedensten Fachbereiche deklinierten nationalistischen, rassistischen und antisemitischen Anschauungen.

  1. Arndt und die deutsche Einheit

Arndt als Stichwortgeber oder geistigen Schirmherren für die „friedliche Revolution“ reklamieren zu wollen, wäre eine sophistische Meisterleistung. Jedenfalls das, was die Ostdeutschen im „Herbst 89“ bis zum Fall der Mauer unter sich ausmachten, hatte mit Arndt nichts zu tun. Weder das Motto „Schwerter zu Pflugscharen“, die Rufe, „Gorbi, Gorbi“ oder „Keine Gewalt“ noch die Forderung „Stasi in die Produktion“ bedurften der Inspiration durch Arndt. Das Volk musste nicht agitiert werden. Es hatte sich für einen kurzen historischen Moment von jeder Agitation emanzipiert.

  1. Arndt und die Theologie

Wie einer mit „Seinem“ Gott ins Reine kommt, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Wer damit aber, wie Arndt, an die Öffentlichkeit geht, setzt sich der Kritik aus.

Zum Ersten: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte …“ (1812). Wenn man dieses Lied nicht in pubertärer Bierseligkeit grölt, sondern das Gedicht bei klarem Verstand auf sich wirken lässt, wird einem bewusst, dass Arndt seinen Gott bedenkenlos instrumentalisiert. Die Nationalisierung Gottes ist ein Rückfall hinter die Botschaft von Himmelfahrt und Pfingsten, ist die primitive Negation der Botschaft des Neuen Testamentes vom Bund Gottes mit allen Menschen. Damit geschieht Arndt, was vielen Fanatikern passiert: Sie gleichen sich ihrem Gegner an. Arndt begibt sich damit auf das „politische“ Niveau alttestamentarischen Gottesverständnisses.

Zum Zweiten: „Ich weiß, woran ich glaube …“ von 1819 muss man nun genau in diesem Kontext verstehen – nicht abstrakt als Ausdruck einer ihm mit den Jahren zugewachsenen Abgeklärtheit, sondern einer pathetisch daher kommenden, sich selbst bestätigenden  religiösen Vermessenheit: „Auch kenn‘ ich wohl den Meister, der mir die Feste baut …“.

An dieser Stelle soll ausnahmsweise direkt auf ein Statement (Anhörung vom 11.12. 2009) aus dem Kreis der Namensbefürworter eingegangen werden, um die Aufmerksamkeit auf eine häufiger im Zuge des Anhörungsprozesses beobachtete unkritische Herangehensweise zu lenken, die Relativierungen begünstigt, mit denen eine ehrliche Aufarbeitung von Geschichte nicht zu leisten ist. Zwei Sätze, die exemplarisch dafür stehen seien hier zitiert.

Professor Staats (Kiel) schreibt:

Erstens: „Als 1933 Arndts Name in den Titel der Universität kam, da war wirklich auch im gebildeten Bürgertum die Vorstellung verbreitet, dass die nationale Bewegung eine „Freiheitsbewegung“ sei.“

Und zweitens: „Am Namen Arndts kam offensichtlich kein wacher Bürger vorbei – bis in den Zweiten Weltkrieg.“

Diese Sätze, offensichtlich als Verteidigung seines bei der Namensgebung 1933 federführend wirkenden Kollegen Glawe gedacht, schreien, so harmlos sie auch scheinen mögen, in ihrer intellektuellen Einfalt geradezu nach einer Hinterfragung ihres historischen Wahrheitsgehaltes:

Wäre da nicht zu fragen: was konstituierte die Bildung des „gebildeten Bürgertums“, dass sich in ihm eine Verwechslung des deutschen Faschismus mit einer „Freiheitsbewegung“ verbreiten konnte? War es nicht eher so, dass der Identifikation des verinnerlichten tradierten Arndt’schen Freiheitsbegriffes mit dem der Nazis schon nichts Wesentliches mehr entgegenstand? Wie hätte sonst ein Theologieprofessor nur wenige Monate nach dem Reichstagsbrand, nach pausenlosen medialen Hasskampagnen und der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie ausgerechnet Arndt als Namenspatron für die Universität vorschlagen können? Konnte dies alles einem gebildeten Bürger entgangen sein?

Auch konnte in der Tat weder ein „wacher deutscher Bürger“ noch eine wache deutsche Bürgerin am Namen Arndts vorbeigekommen sein. Nur, mit welchem Resultat? Der Ruf: „Deutschland erwache“ – vornehmlich zum Einschläfern der Vernunft skandiert – verschreckte gerade die wachesten Köpfe. Viel von ihnen verließen noch rechtzeitig das Land. Die große Zahl ergab sich dem Rausch neuer verheißener nationaler Größe.

Hätte sich hier für den Professor beim Lesen seiner eigenen Sätze nicht selbst die Möglichkeit einer Frage auftun können: ‚Gibt es da vielleicht eine Verbindung zwischen der Rezeptions- und der Wirkungsgeschichte Arndts, dem flächendeckenden Eintrichtern Arndt’scher Verse und Arndt’schen „Gedankenguts“ und der geistigen Verfassung des „wachen“ und „gebildeten“ Bürgertums im Frühling des Jahres 1933? Hätte sein Votum dann noch negativ, gegen eine Umbenennung ausfallen können?

Arndt in unserer Zeit, die Stadt und die Universität

„… die Befangenheit in den eigenen Vorurteilen bis hin zum Rassenwahn blieb einKontinuum der Deutschen Geschichte.“ (A. Herzig – „Die Zeit“ 4/2010 S. 78).

Häufig werden von Gegnern der Umbenennung der Universität aus Kreisen der Greifswalder Bevölkerung die engen Verbindungen zwischen Stadt und „ihrer“ Universität argumentativ ins Spiel gebracht. Die Gewichte sind allerdings ungleich verteilt, was dabei gern vergessen wird. Die Stadt lebt wesentlich durch und von der Universität, nicht umgekehrt. Das prägt das Miteinander beider. Über den guten Ruf einer Universität entscheiden offensichtlich andere Kriterien als ihr Name, solange der Namenspatron nicht zur Belastung wird. Der Streit um Ernst Moritz Arndt ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Legte die Universität ihren Namen ab, verlöre die Stadt nichts als eine mehr oder weniger unreflektiert liebgewonnene Gewohnheit. Die Stadt lebt kaum mit, noch weniger durch Arndt. Sähe sich „die Universität“ andererseits gedrängt, auf lokalpolitische Befindlichkeiten und Animositäten Rücksicht nehmen zu müssen („… jetzt wollen sie uns auch noch unseren Arndt nehmen!“) , würde die Stadt zur Belastung für die Universität. Das wäre für keinen gut.

Im Gegenteil: Der Namensstreit bietet all jenen, die den Namen Arndts positiv verinnerlicht haben eine Chance zur Neujustierung ihres Geschichtsbildes. Und – eine Umbenennung überließe Arndt nicht den Rechtsextremen, wie ein irrlichterndes Argument suggerieren will, sondern sie nähme denen eher die Möglichkeit eines peinlichen Verweises: in Greifswald trage selbst eine Universität den Namen dessen, der nach wie vor zu einem ihrer Helden taugt.

Der Universität hat sich die Chance einer Rehabilitierung ihrer Reputation gegeben, nachdem sie unsanft aus dem Dornröschenschlaf einer scheinbar unschuldigen Namensträgerschaft geweckt wurde. Denn unvergessen ist, dass sich auf Initiative und unter dem Beifall verblendeter akademischer Kader die Universität im Frühjahr 1933 freiwillig und in Ergebenheit zum „Führer“ den Namen Arndts zulegte, dessen Visionen sich dank der nationalsozialistischen Bewegung endlich zu verwirklichen schienen. Gleichzeitig, am 7. und 25. April, wurden Gesetze erlassen, mit denen begonnen wurde, Hochschulen und Universitäten von Juden und Andersdenkenden zu säubern und am 10. Mai loderten unter den Augen der Universität auch auf dem Greifswalder Marktplatz die Flammen der auf den Scheiterhaufen geworfenen Bücher.

Deutsche Universitäten erwiesen sich nicht als geistiges Bollwerk gegen die aufziehende Barbarei, sondern als ihr intellektueller Treibriemen. Hinzu kamen traditionell verhängnisvolles politisches Desinteresse, Wegsehen und Verdrängen und der Rückzug in vermeintlich reine Wissenschaft.

Heute lautet die Frage ganz klar, gibt es Gründe, die eine deutsche Universität im Jahre 2010 veranlassen könnten, sich den Namen „Ernst Moritz Arndt“ zuzulegen? Die Antwort darf nicht verweigert werden und muss in die Entscheidung eingehen. Und da die Entscheidung eine politische ist, muss auch die Begründung politisch sein und ethisch motiviert.

Wissenschaftlicher Diskurs, Stellungnahmen, Anhörungen, die unterschiedlichsten medialen Äußerungen und anderes mehr haben den Erfahrungshorizont mit Arndt erweitert und Erkenntnisse über ihn und uns zu Tage gefördert, hinter die zurückzugehen der politische Anstand verbietet.

Ein Festhalten am status quo sollte heute also nicht mehr möglich sein, käme es doch einer erneuten Bestätigung jener beschriebenen beschämenden Vorgänge gleich, und wäre als Rückzug auf angeblich „wissenschaftlich“ nicht Entscheidbares schlicht Verweigerung politischer Verantwortung.“

Ein Schaf in altem Wolfspelz?

10 Nov

 Biermann im Bundestag

„Glaubst du, die Russen wollen, glaubst du, die Russen wollen, glaubst du, die Russen wollen Krieg?‘ Oh nein! Auf gar keinen Fall! Denn da mordet, so weit ich seh‘, Mann, nur Putin, der KGB-Mann! Wer spielt da den blutigen Ball denn? Nur Putin und seine Kanaillen!“

Als Biermann dies – mehr schlecht als recht gereimt – und anderes unlängst bei Deutschlandradio Kultur meinte sagen zu müssen, dacht ich traurig und böse, ach Wolf, Du „uralter Sack“, ich hörte Deinen letzten, historischen Auftritt in Köln am Rhein heimlich des Nachts am Kofferradio, nahm das Konzert auf und versteckte die Kassette so gut, dass ich sie nie wiederfand. Und war beeindruckt, wie Du die alten Politbürosäcke verhöhntest, und sprachlos staunte ich über Deinen Mut, nicht wissend, dass Du keine Rückfahrkarte hattest im Gepäck. Doch jetzt, wo ich Deine Zeilen an Jewtuschenko höre, gefriert mir das Blut in den Adern, und ich schäme mich fremd für Dich, den verbitterten Plänkelsänger!

Kurz darauf dann kam die Meldung: Biermann singt im Bundestag! … Was hat denn den Lammert geritten, einen so hemmungslosen Putin- und Linkenhasser im Hohen Hause zu hoffieren! Nach außen politisch doch ausgesprochen ungeschickt. Und nach innen? Sollte ein Parlamentspräsident nicht auch halbwegs überparteilich agieren? Nun, Lammert meinte wohl, was der Gauck kann, müsse auch er  können wollen – jetzt, wo Deutschland die Gefahr droht, auf internationalem Parkett handlungsunfähig zu werden.

Es wird einen Skandal geben – so oder so!

Und so kommt zur feierlichen Stunde Biermann mit seiner Gitarre, kommt und greift in die Saiten, präludiert zart und lyrisch, zu lang für ein Präludium, bricht dann entschlossen ab sein schönes Spiel und wendet sich nach Links … und das Verhängnis nimmt seinen Lauf … Reich-Ranickis Verdikt über einen Romanschreiber „Er hätte es bleiben lassen sollen!“ rumort verzweifelt in meinem Hirn: Aber Biermann lässt nichts bleiben und nichts aus. Und dann, als Höhepunkt seiner Abrechnung, meint er,  dieser seiner Drachenbrutrestetruppe noch einen letzten Schlag versetzen zu müssen: ‚Nein, sie seien nicht links, nicht links und auch nicht rechts! Sie seien reaktionär‘! Welch Schmähung! Und welch grandiose Verkennung der Realität – in diesem Moment ist nur einer reaktionär – und das ist er! Er selbst. Das Hohe Haus aber hat seinen Spaß und lacht und applaudiert …

Und dann singt Biermann doch noch.

Und er singt:

Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.

Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
– sitzt du erst hinter Gittern –
doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.

Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.

Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid.

Und wie Du da so singst, kann ich eine Frage nicht verdrängen: Für wen eigentlich singst Du dort im Bundestag, wenn da mehr sein soll als nicht nur ein zum Ritual verkommenes Lied, das uns erinnern mag an die besseren schlechten Zeiten? Für die, die damals im Knast saßen? Für die, die bürgerliche Freiheiten vermissten und sich selbst ermutigend Deine Zeilen auf den Lippen trugen?

Und wen willst Du noch ermutigen? Du, der Du mit Deinen einstigen Idealen längst auch Dein Publikum verloren hast und nun als ein Wiedergänger kalter Zeiten herumgereicht wirst?

DAS gönne ich Dir – NICHT; hätt‘ Dir und uns was Bess’res gewünscht …!

Sarrazin – nur ein Symptom?

22 Apr

oder

der Umgang der SPD mit Sarrazin im Licht des Urteils des Antirassismus-Ausschusses der Vereinten Nationen

Die Berliner Staatsanwaltschaft verbuchte Thilo Sarrazins Thesen in „Lettre International“ (2009) unter Meinungsfreiheit. Der Antirassismus-Ausschuss der UN hat den Rassismus-Vorwurf des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) nun bestätigt, und die Bundesrepublik Deutschland als Partner der Antirassismuskonvention aufgefordert, „die im Vertrag festgelegten Bestimmungen konsequenter in das deutsche Recht umzusetzen. “ (s. a. w. dazu Robert D. Meyer in ND vom 19. April 2013)

Das sollte auch die SPD nicht unberührt lassen. Denn Genosse Sarrazin, von deutscher Justiz und SPD-Schiedskommission gedeckt, verbreitete seither seine rassistischen „Meinungen“ unbekümmert und variantenreich weiter (s. a. auf diesem BLOG  Sarrazin und die SPD und Meinungsfreiheit).

Ein Parteiausschlussverfahren scheiterte an der Schiedskommission des Berliner Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf.  „Das zweite Ausschlussverfahren des wegen seiner Integrationsthesen heftig umstrittenen früheren Bundesbankers endete mit einer gütlichen Einigung. Alle vier Antragsteller – darunter die Bundes-SPD – zogen ihre Ausschlussanträge auf Basis einer Erklärung von Sarrazin zurück…“

Gütliche Einigung?

Der Schoß des deutschen Wesens ist fruchtbar noch und gebiert noch immer ein gut Maß rassistischen Dünkels. Unterschwellig auch, nicht immer bewusst, bis tief in die Mitte der Gesellschaft reichend. Auch in die Mitgliedschaft der SPD. Das jedenfalls war aus den Diskussionen um Sarrazins Ausschluss intern und in der breiteren Öffentlichkeit herauszuhören. Und so schien man damals auf Bundes-Ebene erleichtert zu sein, durch das Schiedsgericht, sozusagen demokratisch legitimiert, den Fall Sarrazins juristisch unspektakulär lösen zu können, Weitere Sympathiekundgebungen und Parteiaustritte, die man sich nicht leisten wollte, konnten so verhindert werden.

Heute hat das Urteil des UN Antirassismus-Ausschusses jene Taktik der SPD-Führung eingeholt. Diese muss sich nun fragen lassen, ob ihre Beschwichtigungspolitik im Falle Sarrazin dem antirassistisch-humanen Anspruch der Partei und ihrer Verantwortung, sich schützend vor diskriminierte Bevölkerungsgruppen zu stellen, gerecht wurde.

Muss nicht in einer so wichtigen Frage wie der des Rassismusvorwurfs die Bundesschiedskommission von der Bundespartei, dem Parteivorsitzenden angerufen werden, wenn die unteren Ebenen versagen?

Auch in einer demokratischen Partei gilt, was für eine Demokratie lebenswichtig ist:

Der Aufstand der Anständigen läuft ins Leere, wenn sich ihm nicht der Anstand der Zuständigen gesellt!

Gauck noch mal!

20 Feb

Es ist eine instinktlose Posse: nun muss für’s höchste Amt nochmal der Charakterdarsteller mit den nebulösen neoliberalen Freiheitsvorstellungen aus der parteipolitischen Trickkiste gezogen werden. SPD und GRÜNE können vorerst frohlocken, dass die Kanzlerin nun genau den rotgrünen Kandidaten präsentiernen muss, der allein ihr zum Ärgernis (anders nicht zu verstehen!) von ihnen aufgestellt worden war. Und die FDP darf sich rühmen, die Kanzlerin in diese miese Situation gebracht zu haben und sich sonnen in der Illusion, nichts ginge ohne die FDP.

Aus Umfragen geht hervor, dass Gauck in Sachen Präsidentschaft Volksliebling ist. Auch Volkstribun? Gauck begriff in der DDR: „dass die Wahrheit – ethisch wie politisch – nicht bei der Mehrheit sein muss. Wir erlernten damals die Minderheitenexistenz…“ Werden ihn  s e i n e  damaligen politischen Erfahrungen dazu befähigen, ein Herz auch für heutige Minderheitsexistenzen zu haben, die die von ihm favorisierte Freiheit gebiert?

Eines wenigstens scheint sicher: mit Männern von Charakter, wie sie mit Klaus Töpfer und Norbert Lammert im Gespräch waren, braucht sich die Kanzlerin nicht herumzuschlagen. Von ihnen wäre zu hoffen gewesen, dass sie nicht jedes mit heißen Nadeln und geschmierten Federn fabrizierte Gesetz würden durchgehen lassen. Und gerade das wäre nach den deprimierenden Erfahrungen mit Regierung und Parlament geboten.

Fazit: der Instinkt, was politischer Macht und ihren Ränkespielen nutzen oder schaden könnte, ist noch hellwach. Dafür aber versagt er gründlich bei der Frage, was der ganzen Nation zur Ehre und zum Wohl gereichen würde.

s. a.  Ach Gauck

15. Oktober – weltweit und auf dem Greifswalder Markt

13 Okt


Echte Demokratie jetzt!

Kommt am 15. Oktober von 15.00 – 18 Uhr auf den Greifswalder Marktplatz !

Empört Euch!

Der Empörten-Virus (nd)

Flyer für HGW

7. Oktober 2011 – und zehn Jahre im Krieg!

7 Okt

„Es ist nichts gut in Afghanistan“! Wieviel Prügel hat Margot Käßmann, die unbotmäßige Pfäffin, dafür schon einstecken müssen. Doch der Satz ist darum nicht falsch. Im Gegenteil. Nichts wird besser dort, solange die Interventionstruppen das stolze Land besetzt halten. Die zivilen Opferzahlen steigen stetig. Gottes eigenes Land vergilt alttestamentarisch Terror mit Terror. Mit deutscher Unterstützung! Dabei geht es fast ausschließlich nur noch um Gesichtswahrung wie einst in Vietnam. Aber welches Gesicht soll da gewahrt werden? Wird da nicht nur noch für die dürftig maskierte Fratze der Interessen einer absoluten Minderheit gestorben, der jetzt unverhofft die Protestwelle „Wir sind die 99 Prozent“ entgegenschlägt?

Ich schäme mich für mein Land – dafür, dass unsere Kinder wieder fragen müssen  „Wozu sind Kriege da“

Und ich schäme mich, dass wieder Mütter durch Söhne deutscher Mütter getötete Kinder beweinen müssen.

Und ich schäme mich, dass die mit soviel Verstand begabten Menschen unseres Landes noch so wenig bereit sind, die Zusammenhänge zwischen Ungerechtigkeit, Terror, Krieg und Krisen zu begreifen. 

An diesem Tag sei auch daran erinnert, was Brecht als Wunsch für Deutschland hintersinnig Kindern als Kinderhymne in den Mund legte. Auch heute noch – vielleicht gerade heute – ziemte uns diese respektable Bescheidenheit!

Give Peace a Chance!

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