Friedensnobelpreis 2010 und einige Fragen /Update

8 Okt

(veränderte Fassung /9. Oktober 2010)

Die zweite nicht unumstrittene  Vergabe eines Friedensnobelpreises in Folge. Zugestanden, für das verleihende Komitee  aus dem westlichen Kulturkreis war der Vorschlag Liu Xiaobo plausibel, ist Frieden hier doch nur in Einheit mit Freiheit denk- und wünschbar. Mit einer Freiheit allerdings, wie wir sie meinen. Die schließt, um gleich zur Sache zu kommen, unter anderem auch Freiheit für Politik- und Wirtschaftsberater vom Schlage der Chicago Boys ein, die mit ihrer Schockstrategie im Zuge der Transformation des „Ostblocks“ dort für „unsere“ Freiheit Lobbyarbeit geleistet und dabei ganze Völkerschaften in Not und Elend gestürzt haben. Man kann nämlich durchaus, was oft vergessen wird, für gewisse Facetten unserer Freiheit kämpfen und dabei völlig auf Demokratie verzichten, wie das Beispiel Chiles unter Pinochet am eindrucksvollsten zeigt.

Nun hat sich also das Nobelpreiskomitee für den chinesischen Bürgerrechtler entschieden, der sich in seinem Land für die universellen Menschenrechte einsetzt und sich selbst als Berufsdissident bezeichnet.

Warum fühlt sich die chinesische Regierung durch diesen Schritt brüskiert? Versetzen wir uns kurz in deren Lage! Was wäre, wenn die Partei morgen im Reich der Mitte die universellen Menschenrechte ausriefe und alles was wir für Freiheit halten ihren Bürgerinnen und Bürgern einräumte? Natürlich, kann man einwenden, muss dies behutsam geschehen, sich in einem gesteuerten Prozess u. s .w. entwickeln. Wohin aber soll die Entwicklung gehen? Haben wir eine Lösung, ein Rezept? Sähen viele von uns den stärksten Konkurrenten nicht lieber noch für lange Zeit als Entwicklungsland, als schier unbegrenzten Absatzmarkt zu unseren Bedingungen? Käme nicht so manchem verantwortlich Unverantwortlichen eine Destabilisierung Chinas gerade recht? Sehen nicht die Gegner Obamas die Gefahr, dass mit ihm die USA  mit ihren 310 Millionen Einwohnern ihre Vormachtstellung in der Welt verliert? An wen? Und weiter gefragt, mit welchen Mitteln soll diese Vormachtstellung erhalten werden? Oder noch anders, wäre man in jenen Kreisen, die nicht anstehen, den neuen Nobelpreisträger in ihren Medien bejubeln zu lassen, wirklich beglückt, sähe man sich 1,3 Milliarden Chinesen gegenüber, ausgestattet mit Reisefreiheit und der entsprechenden Währung? Spielt da nicht Heuchelei eine verhängnisvolle Rolle?
Die chinesische Regierung wird sich des allen wohl bewusst sein. Ist es da verwunderlich, dass sie die Nobelpreisverleihung als unfreundlichen Akt begreift, der die notwendigerweise vorsichtige Öffnung der chinesischen Gesellschaft hin zu mehr Demokratie völlig ignoriert und der von einer Medienkampagne begleitet wird, die als Krönung diesen Akt mit der Verleihung an C. von Ossietzky vergleicht, was eine Gleichsetzung  der chinesische Regierung mit dem Regime im faschistischen Deutschland bedeutet.
Ist die Nobelpreisverleihung 2010 wirklich ein unabhängiger  Akt? Ein mutiger Akt, der dem Frieden dient? Ist das Nobelpreiskomitee am Ende selbst Nobelpreis-verdächtig ?

 

Zur Erhellung des Themas hier: China, Indien – Rote Karte für den Westen von Frank Sieren im politischen Feuilleton – dradio.de – vom 08.10.2010 · 07:20 Uhr

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