Theater Vorpommern – wer führt wen, wie und wohin?

12 Jul

Tiefe Stille herrscht im Wasser,

Ohne Regung ruht das Meer,

Und bekümmert sieht der Schiffer

Glatte Fläche ringsumher.

Keine Luft von keiner Seite!

Todesstille fürchterlich!

In der ungeheuern Weite

Reget keine Welle sich.

Eine ähnliche Gemütsverfassung, wie sie diese Zeilen eines Weimaraner Staatsdieners und erfolgreichen Intendanten imaginieren, kann einen anwehen, wenn man dieser Tage an unser in Seenot befindliches Theater denkt. Schon bald nach Verabschiedung eines zu seiner Rettung gedachten Bürgerschaftsbeschlusses (5. Juli) breitete sich auch im lokalen Blätterwald ein unüberhörbares Schweigen aus. Die Zeit, da sich Bürgerinnen und Bürger dieser Region protestierend mit ihrer Unterschrift gegen die Zumutungen aus Schwerin und für den Erhalt unseres Theaters einsetzten, scheint vorbei zu sein. Sommerhitze, Fußball und Skandale lähmen oder binden die ohnehin medial strapazierten Aufmerksamkeitskapazitäten. Dabei könnte die Ruhe trügen und gerade jetzt Wachsamkeit geboten sein! Denn der Inhalt des Bürgerschaftsbeschlusses: „Prüfauftrag und Entscheidungsvorbereitung über notwendige Strukturmaßnahmen zur Zukunftssicherung der TheaterVorpommern GmbH“ hält nicht, was sein Titel vermeintlich verspricht. Wenn Spartenschließungen und/oder Fusionen als zu prüfende Optionen Konsens sind, wird das eine oder andere wohl auch beschlossen werden, als ein weiterer gravierender Schritt hin zu einem Reise- oder schlimmer noch zu einem Bespieltheater. Wie ein Kinobetreiber Filme zum Vorführen kauft, so dann „die Stadt“ Inszenierungen für ihre allenfalls noch vorgehaltene und verwaltete Spielstätte. Die Produktion von Kunst wird ausgelagert! Das, was den kulturellen Charme eines „Stadttheaters“ ausmachte, war die schöpferische Intimität, die zwischen der Kommune und „ihren“ Künstlern herrschte. Das stirbt dann endgültig!  Derartige „Strukturmaßnahmen“ werden also gerade nicht zur Zukunftssicherung der schon jetzt arg gebeutelten Theater-GmbH führen, sondern zu einem anderen, wie auch immer gearteten kostenreduzierten Spielbetrieb. Da muss man wissen, ob man das will!

Über den Intentionen der Stadtverwaltung stehen die finanziellen Zwänge vor Ort, verursacht zum einen durch eine desaströs ideologisch determinierte Finanz- und Kulturpolitik der Regierung eines der reichsten Länder dieser Welt – von der Bundesebene über die Länder verhängt, von diesen durchgereicht an die Kommunen zur anscheinend alternativlosen Exekution. Das kann hier nicht weiter ausgeführt werde, es gälte aber, sich dagegen zu wehren.

Zum anderen kann Sorgen aber auch bereiten, was hinter diesen Intentionen sozusagen an Hausgemachtem droht. Das zuständige Ressort drängt auf Eile. Denkbar, dass da eine beschworene drohende Insolvenz herhalten soll für die Durchsetzung von „Strukturmaßnahmen“, die als schönen Nebeneffekt noch etwas abwerfen zum Stopfen von „unerwarteten“ Haushaltslöchern in Millionenhöhe? Zudem lauern, mitunter nachvollziehbare, Begehrlichkeiten zuhauf auf ihre Stunde. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass schmerzhafte Defizite im Haushalt des Theater durch Wünsche der Gesellschafter entstanden sind, wie z.B. durch ihr starrsinnige Festhalten an einer illusionären „Festspiel“-Konzeption, durch die die Ansprüche an die sonst leistbare übliche Sommerbespielung finanziell, künstlerisch und technisch völlig überdehnt wurden.

Das Theater ist also in mehrfacher Hinsicht in der Krise. Was kann nun vom angedachten Krisenmanagement („Prüfauftrag“) erwartet werden?

Wenn, dem Vernehmen nach, die Gesellschafter den entlassenen Geschäftsführern vorwerfen, zur finanziellen Krise beigetragen zu haben, liegt der Schluss nahe, das Ausmaß dieser Krise hätte bei besserer Leitung beschränkt werden können. Dies muss dann auch für die Zukunft gelten dürfen und  sollte, unabhängig von eventuellen Gerichtsprozessen, ein Ansatz zu eigenen Analysen und Prognosen sein. Wenn man zudem in Rechnung stellt, dass die Stadt/die Gesellschafter spätestens seit der Wende in der Auswahl ihrer Intendanten und Geschäftsführer nur selten eine glückliche Hand hatten, liegen hier noch erhebliche Reserven.

Wenig zu hoffen ist allerdings von dem im Beschluss vorgegebenen Prozedere, wie man zu tragfähigen Vorschlägen für eine Entscheidung in der Bürgerschaft zu kommen gedenkt. Das jüngst in der Ostseezeitung vorgestellte neue Kompetenzteam des Theaters ist so ziemlich das alte, nur ohne Intendant und kaufmännischen Geschäftsführer, die durch zwei ehemalige Aufsichtsratsmitglieder ersetzt wurden. In dieser Aufstellung lässt sich gewiss der tägliche Theaterbetrieb für eine gewisse Zeit aufrecht erhalten – eventuell auch harmonischer als zuvor – aber bei allen Verdiensten, die jene Damen und Herren unzweifelhaft haben, man kann doch nicht allen Ernstes von ihnen, auch bei bestem Willen nicht, erwarten, das zu leisten, was jetzt mehr denn je gefordert ist: ein spartenübergreifendes künstlerisches Gesamtkonzept für ein Theater, das sich unverwechselbar in die Vorpommersche Theaterlandschaft einfügt und es maßgeblich zu prägen vermag, ein Konzept für ein Theater, dessen Akzeptanz beim Publikum sich in hoher Auslastung beweist, und das die Politik zudem durch ausgewiesene Wirtschaftlichkeit überzeugen kann.

Dabei wäre es dann auch hilfreich, die Gesellschafter hätten selbst Klarheit darüber, was für ein Theater sie künftig haben wollen. Das proklamierte Ziel, „bei gleichbleibenden Zuschüssen weiterhin qualitativ hochwertige Theater- und Konzertangebote in der Region“ vorhalten „und eine Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage“ erreichen zu wollen greift da zu kurz. Auch deshalb ist Kompetenz von außen in dieser Situation für alle Seiten „lebenswichtig“. Nicht zuletzt gebietet die Achtung vor den vielen Mitarbeitern des Theaters, die seit Jahren das Theater Vorpommern in seinem jetzigen Umfang durch permanenten Verzicht auf  Teile ihres Gehaltes und damit auch ihrer Rente ermöglichen, es quasi sponsern, dass mit ihnen fair und für jeden Einzelnen durchschaubar umgegangen wird.

Der Wind, den jetzt das Schiff für seine Fahrt in rettendes Gewässer so dringend braucht, wird schwerlich an Bord selbst zu generieren sein.

Eine Stellenausschreibung für eine „IntendantIn“, die auf die Problematik der aktuellen Situation zugeschnitten sein muss und auch ein zeitnahes Engagement möglich macht, ist überfällig!

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