Theater abwracken?

29 Jun

Man könnte es mal wieder als sommerliche Provinzposse abtun, wenn es nicht so traurig und beschämend wäre. Die drei Gesellschafter Greifswald, Stralsund und Putbus schicken* den Intendanten und den kaufmännischen Geschäftsführer ihres (und unseres!) Theaters in die Wüste, und inthronisieren die alternierenden Vorsitzenden genau jenes Aufsichtsrates, der offensichtlich mit der Aufsicht des Theaters überfordert ist und überdies einen fehlerhaft gestrickten Gesellschaftsvertrag zu verantworten hat, der die von Greifswald nicht gewollte Verlängerung eben jenes nun gefeuerten Intendanten ermöglichte. Das ist so, als liquidierte eine Reederei Kapitän und Steuermann ihres teuersten und in Seenot geratenen Schiffes und schickte zwei ihrer Aufsichtsratsmitglieder an Bord, das Schiff zu retten. Aber, um im Bilde zu bleiben, soll das Schiff vielleicht gar nicht gerettet, sondern abgewrackt werden – liegt darin vielleicht eine wohlüberlegte List? Und in der Tat, die Zeichen stehen fürs Theater auf Sturm. Das Land will die Theaterlandschaft substanziell halbieren. Abwracken also! Das wissen die Gesellschafter nun seit über zwei Jahren! Wie war und ist nun die um ihre Kreisfreiheit so bangende Greifswalder Stadtverwaltung für diese Situation aufgestellt? Sie „bittet“ die Bürgerschaft in einer Beschlussvorlage für den 5. Juli, sie zu beauftragen, „… zur Sicherung und Weiterentwicklung zukunftsfähiger Theater- und Orchesterstrukturen notwendige Strukturmaßnahmen zu entwickeln, und der Bürgerschaft zur Entscheidung vorzulegen.“ Ich halte das für einen kulturpolitischen Offenbarungseid! Kann die Verwaltung nichts tun, ohne beauftragt zu werden? Seit zwei Jahren nichts außer Missmanagement ärgerlicher Theaterquerelen? Und natürlich muss es nun schnell gehen. Die Bürgerschaft soll einen Freifahrtsschein ausstellen für Spartenschließungen oder –verkleinerungen, Fusionen und letztlich künstlerischen Personalabbau. Und da man selbst nichts zu bieten hat, sollen die gewitzten Vorschläge aus Anklam und Neubrandenburg in die „Überlegungen“ einbezogen werden dürfen, die  das Blaue vom Himmel versprechen und ihre wohlverstandenen eigenen Interessen geschickt ins Spiel zu bringen wissen.

Wieder, wie vor zwei Jahren, als im Schatten der Fußball-EM der Verkauf der WVG auf der Agenda stand, wird von der Stadt selbsterzeugter Zeitdruck ausgeübt, um der Bürgerschaft und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Hansestadt zu vermitteln, dass es zu den Plänen, die diesmal noch keiner kennt, keine Alternative gibt. Morgen darf sich jeder dazu äußern! 19.00 Uhr im Theater!

*Die Entlassungen an sich sollen hier nicht bewertet werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: